Schulteroperation

Man hört ja oft von der heilenden und gesunderhaltenden Wirkung von Taiji, aber bei wirklich starken Verletzungen verlässt man sich doch normalerweise lieber auf die westliche Medizin...normalerweise...

Vor 2 Jahren begann ich mit dem Chenstil, als Schüler von Claudia Mohr. Da ich aber schon seit langem Schmerzen in der linken Schulter hatte und wie sich herausstellte, einiges an Sehnen und Bändern abgerissen war, kam ich nicht daran vorbei, mich operieren zu lassen. Auf Grund der Schwere der Verletzung wurde ich von den Ärzten darauf vorbereitet, dass ich meinen linken Arm 6-8 Wochen bewegungslos in einer Schlinge haben werde und dann nach ca. 2-3 Monaten mit vorsichtigem Bewegen anfangen könnte. Nach 6 Monaten würde ich wohl wieder voll funktionstüchtig sein.

Direkt nach der Operation sollten mir ziemlich viele sehr starke Schmerzmittel verabreicht werden, weil Schulteroperationen bekannter Weise recht schmerzhaft und langsam ausheilen. Ich lehnte aber alle Schmerzmittel ab und versuchte stattdessen in der Sitzmeditation zu entspannen und nicht am Schmerz anzuhaften, Geduldig und Gelassen zu bleiben, wie Claudia uns ja in ihren Seminaren immer vermittelt. So hab ich die ersten 4-5 Tage komplett im sitzen verbracht (auch nachts) und ich muss sagen, es war zu meiner eigenen Überraschung wirklich gut auszuhalten, solange ich es schaffte, immer wieder zu Lösen.

Nach den 5 Tagen konnte ich mich dann wieder normal hinlegen und begann auch wieder mit der stehenden Säule. Da ich nun ganz viel Zeit hatte stand ich nun täglich morgens und abends je 1,5 Stunden und machte danach je 1 Stunde Seidenübungen mit dem beweglichen rechten Arm im sitzen. Die Entspannung und das warme Gefühl hat sich trotzdem auch auf den linken Arm übertragen und war wirklich sehr angenehm.
Nach 3 Wochen legte ich die Schlinge ab... nach 4 Wochen war ich wieder in Claudias Wochenendseminar und habe den linken Arm schon auf Schulterhöhe heben können (was dann auch erlaubte, die Seidenübungen mit dem linken Arm auszuführen).

Ab da ging es noch schneller. Nach 7 Wochen konnte ich die Form ohne größere Beeinträchtigungen laufen. Jedes Mal wenn ich mich mit Taiji aktiv beschäftigte, habe ich direkt den Erfolg danach spüren können. Physiotherapheut und Ärzte waren jedes Mal sichtlich erstaunt wie entspannt und weich sich die Schulter wieder bewegen lässt.
Das Taiji ist eine Sache, aber gerade die Art wie Claudia das Prinzip vermittelt, nämlich immer am eigenen Maximum zu arbeiten, hat mir offensichtlich eine deutlich langwierigere Krankengeschichte erspart.
Und so wurde ich selbst Zeuge, dass die heilende Wirkung eben nicht nur auf „Krankheiten“ wie Müdigkeit, Konzentrationsunfähigkeit und vieleicht höchstens noch leichte Magenverstimmungen anspricht, sondern auch bei ernsthaften Verletzungen gravierende Erfolge zeigt die so sonst nicht möglich wären.

René Lamour
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