Stammbaum - Chen Wanting


Chen-Wangting

Geboren wurde Chen Wanting (Qinting, 1597-1664) in der Ming-Dynastie zur Regierungszeit von Kaiser Wanli (Zhu Yijun, 1373-1620) als zweiter, von vier Söhnen des Chen Fumin. Chen Fumin wurde vom Kaiser zu einem Zhenshilang ernannt, ein öffentlicher Posten, den er Aufgrund seiner versierten, gebildeten Art erhielt.
Chen Wanting trainierte von klein auf die Kampfkunst seiner Familie. Er war sehr intelligent und talentiert, widmete neben dem Erlernen der Kampfkunst einen Grossteil seiner Zeit dem Studium der Literatur und war daher mit zunehmendem Alter sehr vertraut mit dem Gedankengut seiner Zeit. So entwickelte er auf beiden Gebieten, der Literatur und der Kampfkunst, außergewöhnliche Fähigkeiten. Ein hohes Level soll er auch im Qinggong entwickelt haben, welches die Kunst des Wendehochlaufens und des Laufens auf Dächern beschreibt, die so genannte Schwerelosigkeit.

In seinen jungen Jahren machte er sich als Begleitschutz von Handelskaravanen einen Namen, sodass Räuberbanden, wenn sie seinen Namen hörten von ihrem Vorhaben, diese zu überfallen abließen.
Wegen seines Aussehens, er erschien meistens auf einem schwarzen Pferd mit seiner Hellebarde, hatte ein rotes, grimmiges Gesicht erhielt er den Spitznamen 2. General Guan.
General Guan wird seit der Zeit der drei streitenden Reiche, ca. 3 Jhd n. Chr., als Schutzgott verehrt.
Alsbald wurde er durch die Fürsprache des Landesmagistraten unter Kaiser Chongzhen (Kaiser der Ming-Dynastie1628-1644) befördert und erhielt den Oberbefehl über die Stadtgarnision.
Am Ende der Mingdynastie hatte er bereits den Titel eines Yangsheng
(Bezeichnung für jemanden, der auf Landesebene kaiserliche Wettbewerbe gewonnen hat).
Bei einem weiteren kaiserlichen Wettbewerb „Wuju“ auf Provinzebene an dem Chen Wanting teilnahm, stach er alle anderen Teilnehmer in der Disziplin aus, Pfeile in den mittleren, roten Kreis einer Scheibe zu schießen, und zwar in der Weise, das der jeweils vorher geschossen Pfeil herausfallen und der neue in exakt die selbe Stelle geschossen werden musste.
Unglücklicher Weise soll er während dieses Wettbewerbs einen der Teilnehmer getötet haben und musste darauf hin fliehen um weiteres Unglück zu verhindern.
Er soll sich nach Dengfeng begeben haben und sich dem dort verweilenden Führer eines Aufstandes, Li Jiyu, angeschlossen haben. (Dies ist eine der möglichen Geschichten über Chen Wanting, sicher finden wir bei genauem suchen noch eine Fülle anderer.)
Nach der Zerschlagung des Aufstandes, nach der Verurteilung Li Jiyus und seiner Familie zum Tode, kehrte Chen Wanting in sein Heimatdorf zurück. Begleitet wurde er von einem hohen Offizier aus den reihen Li Jiyus namens Jiang Fa. Zu seinem Schutz vor Verfolgung wurde Jiang Fa Diener in der Familie von Chen Wanting. Er erhielt den Namen Jiang Bashi, ein damals gebräuchlicher ame für Saisonarbeiter sowie Langzeitarbeiter.
In Wahrheit allerdings waren Chen Wanting und Jiang Fa wie Brüder, die täglich zusammen trainierten und unterrichteten.
Es entstanden viele Geschichte um die Freundschaft der beiden, wie „Die Helden der Yudai-Berge wurden Freunde“, „Jiang Fa wurde Chen Wantings Bruder“, „Jiang Fa besiegt die bösen Geister in Yanghaiwa“ und viele mehr.

Später wurde Jiang Fa mit Chen Wanting zusammen abgebildet, eine Hellebarde haltend, welche noch heute im Ahnentempel der Chen-Familie zu sehen ist.

Selbst nach Jiang Fas Tod gab es weitere Geschichten um ihn. Da er nicht zur direkten Chen-Familie gehörte, konnte er nicht auf dem Chen-Friedhof begraben werden. Nun gab es eine Stelle, genannt Yanghaiwa, an der böse Geister und Dämonen ihr Unwesen treiben sollten, eine Stelle, genannt Xiao Wu Chakou
(Kreuzung der fünf kleinen Strassen), die von den Dorfbewohnern gemieden wurde, auch wenn sie dadurch große Umwege machen mussten.
An dieser Stelle nun wurde Jiang Fa begraben, mit der Absicht, da er ja zu Lebzeiten ein großer Kämpfer gewesen war, wäre es ihm auch sicher möglich mit diesen Geistern fertig zu werden. Und tatsächlich verschwanden diese dann auch.
(Geschichte erzählt von Chen Xinlan, Schwester von Chen Ziming)

Chen Wanting nun seinerseits begann, genausten die zu seiner Zeit gebräuchlichen Boxstile zu studieren, größtenteils Anhand des Buches von General Qi Jiguang (1528-1587), Ji Xiao Xin Shu (neues Buch über effektive Techniken).
Ebenso studierte er das Huangtingjing, einen Klassiker der inneren daoistischen Alchemie, Atemtechniken, Daoyin, Dehn- und Streckübungen, Tuna sowie die Theorie der klassischen chinesischen Medizin, Jingluo.
Aus all diesem theoretisch und praktisch angeeigneten Wissen begann er nun ein System zu kreieren, das erstmalig äußere Bewegungsabläufe mit innerem Energiefluss verband. Gesundheitliche Aspekte und kämpferische Fähigkeiten waren nicht mehr getrennt, sondern lagen auf einem Punkt. Das Prinzip von Taiji, die Harmonisierung der Gegensätze war der Grundbaustein seiner Bewegungen.

In den so genannten „Übungen der Seidenraupe“ verband er Bewegungen der Selbstverteidigung mit einer von ihm entwickelten Form des Qigong. Weiter entstanden 5 Formen des Taijiquan (den Namen Taijiquan erhielten sie erst später), eine Form des Langboxens mit 108 Figuren, eine Paochui-Form (Kanonenfaustform), verschiedene Waffenformen, wie Hellebarde, Schwert und Stock/Speer, die klebenden Speerübungen, die Partnerroutinen und das Pushhands.

Durch die Erkenntnis, das sich alles im stetigen Wandel befindet, das nichts weltliches von Dauer ist, soll er gegen Ende seiner Tage gesagt haben:

„In Anbetracht der letzen Jahren, die ich tapfer gegen die feindlichen Truppen gekämpft habe, was ich alles riskiert habe, all die erhaltenen Ehren, sie nutzen mir nun nichts. Jetzt, alt und schwach, lasse ich mich leiten vom Huang Ting Jing. Leben besteht für mich im kreieren von Boxformen, wenn ich deprimiert bin in der Feldarbeit, wenn Saison dafür ist sowie dem Unterrichten der Nachkommen in der freien Zeit, auf dass aus ihnen wertvolle Mitglieder der Gesellschaft werden.“

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