Stammbaum - Chen Fake

Chen Fake wurde als Sohn von Chen Yanxi 1887 in Chenjiagou/China geboren. Als Urenkel von Chen Changxing war seine Kindheit von einer schwächlichen Konstitution geprägt und er war dadurch kein besonders ernsthafter Taijiquan-Ausübender. So sah es zunächst so aus, als würde die 17. Generation der Taijiquan Familientradition ohne einen Traditionshalter enden. Als Chen Fake dieser Tatsache gewahr wurde, begann er ernsthaft und sehr viel zu trainieren. Es hieß, er trainierte täglich bis zu 100 Formen. Um seine Hüftkraft zu stärken trainierte er mit einem 3 Meterstab (chin. gan) von einem Durchmesser von 15 cm Übungen, die er bis zu 300 mal wiederholte, bis er schließlich mit 17 Jahren als Meister anerkannt wurde.

Es gibt viele Geschichten von ihm, die einer seiner ersten Schüler, Hong Jungsheng niederschrieb, der von 1930-1944 bei Chen Fake trainierte. Doch Chen Fake war nicht nur für sein hohes Level im Taijiquan bekannt, sondern auch für seinen untadeligen Charakter und seine Hochachtung anderen gegenüber.

Er unterrichtete von 1928 an auf Einladung seines Neffen Chen Zhaopi in Peking, wo er 1957 im Alter von 70 Jahren verstarb. In seinem Heimatdorf Chenjiagou gab es einen sehr kräftigen Mann, der den Spitznamen „der Bulle” trug. Eines Tages ergriff er Chen Fake an seinen Handgelenken. Mit einer leichten Bewegung befreite sich Chen Fake nicht nur, sondern warf den Angreifer zu Boden. Als der Bulle sich wieder auf Chen Fake stürzte, soll er ihn unter Anwendung der Figur „der blaugrüne Drache schießt aus dem Wasser” 3 Meter hinfort geschleudert. Nach einiger Zeit drang seine Berühmtheit bis zu dem Kriegsherren Han Fuji vor. Der Herrscher schickte einen Mann zu Chen Fake, um ihm den Posten als Cheftrainer in chinesischer Kampfkunst anzubieten. Doch Chen Fake lehnte höflich ab. Dies erzürnte den Kriegsherren so sehr, dass er Chen Fake von einem Mann angreifen lassen lies, indem er mit einem Speer auf dessen Kehle zielte. Chen Fake, unbewaffnet, wartete bis der Speer nah an seiner Kehle war. Dann senkte der seinen Oberkörper, und mit der Spiralkraft des Taijiquan machte er eine kreisförmige Bewegung mit seinen Händen in der Luft, ergriff den Speer am Stil, drehte ihn leicht und stieß den Gegner mit dem stumpfen Ende. Der Mann flog 4 m weit fort. Immer noch verärgert, ließ der Kriegsherr Chen Fake in einem auf dem Boden markierten Kreis und befahl ihm die Hände auf den Rücken zu nehmen. Dann fragte er Chen Fake, ob er es mit einem Wushu-Trainer aufnehmen könne, der ihn mit einem Säbel angreifen würde. Chen Fake erwiderte, er wolle es versuchen. Als der Trainer ihn mit dem Säbel angriff, blieb Chen Fake in dem Kreis und ohne seine Hände zu benutzen, unter Anwendung der Chenstil Figur „Mit beiden Füßen treten” trat er den Säbel aus der Hand der Angreifers.

Seiner Mutter war Chen Fake treu ergeben. Auf ihre Bitte hin gab er das Trinken für 10 Jahre auf, nachdem er und sein Onkel eines Tages 5 Pfund weißen Schnaps getrunken hatten, Chen Fake daraufhin 3 Tage durchschlief, sein Onkel jedoch nicht mehr aus dem Schlaf erwachte. Ab diesem Zeitpunkt trank Chen Fake nur noch zu besonderen Anlässen. Er soll weiterhin seine Mutter, als diese unter einer Lähmung litt, 3 Jahre lang Tag und Nacht gepflegt haben, seine Augen sollen davon Blutunterlaufen gewesen sein.

Als er das 20. Lebensjahr erreicht hatte, wurde in der Kreisstadt ein Wettkampf der Kampfkünste veranstaltet, aus dem Chen Fake als Sieger hervorging, auf niemanden traf, der sich mit ihm messen konnte. Von da an verbreitete sich sein Ruhm über die Grenzen seines Heimatdorfes hinaus.

Einer seiner wichtigsten Aussagen lautete wie folgt:

„Die Säulen der Sozialisation, Loyalität und der Umgang mit den Menschen sollte auf Bescheidenheit und Zusammenarbeit begründet sein. Loyalität fördert das Vertrauen, Bescheidenheit fördert diese Entwicklung. Zusammenarbeit fördert die Freundschaft zwischen den Menschen. Bescheidenheit und Zusammenarbeit sollte auf Loyalität und nicht auf Heuchelei begründet sein.”

Chen Fake galt als äußerst bescheiden und erachtete sich selbst nie als Meister innerer Kampfkünste. „Alles besitzt Substanz (Inhalt) und Erscheinung. Angenommen Taijiquan ist eine innere Kampfkunst, kann man sich selbst als Künstler der inneren Kampfkunst bezeichnen auch wenn jemand Taijiquan nur für 3 Tage studiert habe?”

Äußerte er sich über seine Mitmenschen, dann nur in der Art und Weise, dass er ihre Vorteile lobte anstatt sie zu kritisieren. Wurde er nach dem Können anderer Taiji-Praktizierender befragt, antwortete er auf 3erlei Weise:

Zu einigen sagt er, ihr Taijiquan sei gut, zu anderen, das ihr Taijiquan „gong fu” hätte und zu einigen, dass er ihren Stil nicht verstehe.

Sagte er, das Taijiquan sei gut, ließ es darauf schließen, dass die Fähigkeiten sowie das „gong fu” gut seien. Bezogen auf seine Aussage ihr Taijiquan habe „gong fu” bedeutete dies, das keine Fähigkeiten entwickelt seien, aber ein Bemühen da sei. Äußerte er, dass er den Stil nicht verstehe, waren kein „gong fu” und kein Bemühen vorhanden, aber er wollte niemanden erniedrigen. Niemals stellte er jemanden bloß, das Ansehen und die Interessen anderer waren für ihn wichtiger als seine eigenen. Dies förderte seine Berühmtheit und es kamen viele Studenten anderer Kampfstile zu ihm um sich mit ihm zu messen und um anschließend seine Schüler zu werden.

Eine berühmte Begebenheit war die Begegnung mit Chinas damals bekanntesten Ringers, Shen San. Bei einem Aufeinandertreffen tauschten sie sich über ihre Techniken aus. Im Gesprächsverlauf ließ Chen Fake Shen San seine Unterarme greifen. Studenten waren zugegen. Doch mitten drin wurde Shen San geschäftlich abgerufen, ohne eine Technik anzuwenden. Zwei Tage später erschien Shen San bei Chen Fake und bedankte sich bei diesem, das er ihn an jenem Tage nicht bloßgestellt hatte, denn in dem Moment der Berührung hatte er festgestellt, dass die Fähigkeiten Chen Fake's seinen weit überlegen sei und er keine Kraft an ihm anwenden konnte. Nachdem Shen San gegangen war, wurde Chen Fake von seinen Schülern befragt, warum er Shen San nicht auf den Boden geschleudert hatte. Er äußerte sich daraufhin wie folgt:

„Ihn zu Boden werfen? Vor Schülern? Könnt ihr es leiden zu Boden geworfen zu werden? Es ist sehr schwierig so berühmt zu werden wie Meister Shen San, die Nummer Eins im Ringen. Daher sollten wir das Ansehen der Leute immer im Kopf haben, bevor wir etwas tun.”

Chen Fake und Shen San wurden sehr gute Freunde und später äußerte Chen Fake einmal, das er in dem Moment der Berührung mit Shen San gespürt hatte, wie schnell er war und im Falle eines Kampfes über seinen Ausgang keine Aussage hätte machen können.

Nach der Neuordnung Chinas gründete Chen Fake zusammen mit Hu Yao Zhen die Wushu-Gesellschaft, dessen Präsident er wurde. In dieser Eigenschaft leistete er einen bewundernswerten Beitrag zur Verbreitung des Chen Taijiquan.

Fotos Xinjia Form Chen Fake


Chen Fake

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